Kanzleimarketing hat einen eigenen Rahmen. Anwältinnen und Anwälte dürfen werben, aber nur sachlich und nicht um das einzelne Mandat. Gleichzeitig hat sich die Art, wie Menschen einen Anwalt finden, in drei Jahren stärker verändert als in den zwanzig davor: Das Google-Unternehmensprofil entscheidet über den ersten Anruf, KI-Übersichten beantworten die Rechtsfrage, bevor jemand eine Kanzlei-Website öffnet, und ein wachsender Teil der Rechtsuchenden fragt zuerst ChatGPT.
Dieser Beitrag zeigt, wie SEO und GEO (Generative Engine Optimization) für Kanzleien zusammenspielen. Wir schreiben ihn aus unserer Erfahrung mit Branchen, in denen Werbung rechtlich begrenzt ist und Vertrauen alles entscheidet. Einen Hinweis vorab, der uns wichtig ist: Wir sind eine Marketing-Agentur, keine Kanzlei. Was wir zum Berufsrecht schreiben, ist Einordnung für die Praxis und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.
01 · AusgangslageWie Mandanten 2026 eine Kanzlei finden
Der Markt ist groß und dicht. Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland laut Bundesrechtsanwaltskammer 167.547 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zugelassen, 47.436 davon mit mindestens einem Fachanwaltstitel. Das sind 28,31 Prozent. In Kanzleien tätig waren nach einer Auswertung der Mitgliederstatistik noch 138.420 Kolleginnen und Kollegen. Wer in Köln, Düsseldorf oder München „Anwalt Arbeitsrecht“ sucht, sieht also nicht drei Optionen, sondern Dutzende. Und die meisten davon wirken auf den ersten Blick gleich.
Die Empfehlung aus dem Bekanntenkreis ist nicht verschwunden. Sie hat sich aber verändert: Wer einen Namen empfohlen bekommt, googelt ihn. Was dann erscheint, entscheidet über den Anruf. Bewertungen im Unternehmensprofil, eine Website, die das konkrete Problem anspricht, ein Anwaltsprofil mit Foto und Werdegang. Aus unserer Erfahrung verliert eine Kanzlei an dieser Stelle mehr Mandate als bei der eigentlichen Suche.
Dazu kommt die KI-Ebene. In der Bitkom-Bevölkerungsbefragung 2026 gaben 58 Prozent der Menschen ab 16 Jahren an, KI zumindest gelegentlich zu nutzen. ChatGPT ist dabei das meistgenutzte Werkzeug. Für Rechtsprobleme im Speziellen ergab eine DemoSCOPE-Befragung aus dem März 2026, dass bereits 8 Prozent zuerst einen KI-Chatbot fragen würden, bei Jüngeren 14 Prozent. Das ist noch keine Mehrheit. Aber es ist die Gruppe, die morgen Mandantin ist.
Drei Bühnen, eine Entscheidung
Eine Kanzlei muss heute auf drei Flächen bestehen: im Map Pack (Unternehmensprofil, Bewertungen, Nähe), in den organischen Ergebnissen (Rechtsgebietsseiten, Ratgeber) und in KI-Antworten von Google, ChatGPT, Gemini oder Perplexity. Die drei Flächen speisen sich aus denselben Signalen. Wer sie getrennt bespielt, arbeitet doppelt.
02 · BerufsrechtWas das Werberecht erlaubt
Die Grundnorm ist kurz. Nach § 43b BRAO ist Werbung erlaubt, soweit sie über die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist. Die Rechtsprechung liest das seit Jahren als Konkretisierung der Werbefreiheit, nicht als Werbeverbot mit Ausnahmen. Für SEO und GEO ist das eine gute Nachricht: Gute Suchmaschinenoptimierung ist sachliche Information. Sie beantwortet Fragen, die Menschen ohnehin stellen.
Genauer wird es bei Spezialisierungen. § 7 BORA erlaubt es, Teilbereiche der Berufstätigkeit zu benennen, wenn die entsprechenden Kenntnisse nachweisbar sind. Wer qualifizierende Zusätze wie „Spezialist“ oder „Experte“ verwendet, braucht zusätzlich theoretische Kenntnisse und erhebliche praktische Erfahrung auf dem Gebiet. Unzulässig ist die Benennung, wenn sie mit einer Fachanwaltschaft verwechselt werden kann oder sonst irreführt. Der Bundesgerichtshof hat dazu in der Entscheidung „Spezialist für Familienrecht“ (I ZR 53/13) klargestellt: Entsprechen die Fähigkeiten den Anforderungen an einen Fachanwalt, darf die Bezeichnung geführt werden, auch wenn eine Verwechslungsgefahr besteht.
Für die Praxis haben wir die häufigsten Maßnahmen eingeordnet. Die Tabelle ist eine Orientierung, keine Rechtsauskunft. Bei Grenzfällen ist die eigene Rechtsanwaltskammer der richtige Ansprechpartner.
| Maßnahme | Einordnung | Warum |
|---|---|---|
| Ratgeberartikel zu Rechtsfragen | Unkritisch | Sachliche Information über die berufliche Tätigkeit, an die Allgemeinheit gerichtet. |
| Tätigkeitsschwerpunkte auf der Website | Unkritisch | Zulässig, wenn die Kenntnisse nachweisbar sind (§ 7 Abs. 1 BORA). |
| Google Ads auf Rechtsgebiets-Begriffe | Unkritisch | Richtet sich an alle, die suchen, nicht an eine bestimmte Person mit bekanntem Fall. |
| „Spezialist für …“, „Experte für …“ | Prüfen | Nur mit Kenntnissen auf Fachanwaltsniveau und erheblicher Praxis (§ 7 BORA, BGH I ZR 53/13). |
| Erfolgsquoten („98 % gewonnen“) | Prüfen | Kaum überprüfbar und schnell irreführend. Wir raten davon ab. |
| Direktansprache bei bekanntem Beratungsbedarf | Prüfen | Kann auf ein Mandat im Einzelfall zielen. Laut BGH nicht automatisch unzulässig, aber ein Grenzbereich. |
| Gekaufte oder erfundene Bewertungen | Unzulässig | Gefälschte Verbraucherbewertungen sind nach der „Schwarzen Liste“ des UWG stets unlauter. |
03 · SuchintentionDrei Arten, einen Anwalt zu suchen
Bevor wir über Maßnahmen sprechen, lohnt ein Blick auf die Suchanfragen selbst. In Kanzleiprojekten sortieren wir Keywords nicht nach Suchvolumen, sondern nach der Lage, in der jemand sucht. Daraus ergibt sich fast von selbst, welche Fläche zählt.
| Lage | Typische Suchanfragen | Wo entschieden wird |
|---|---|---|
| Akut | „Strafverteidiger Köln“, „Anwalt Kündigung erhalten Düsseldorf“, „Anwalt in der Nähe“ | Map Pack, Telefonnummer, Erreichbarkeit, Bewertungen |
| Recherche | „Kündigungsfrist in der Probezeit“, „wie viel Abfindung steht mir zu“, „Unterhalt berechnen“ | KI-Übersicht, Ratgeber, Featured Snippet |
| Vergleich | „Fachanwalt Familienrecht Köln Erfahrungen“, „guter Anwalt für Mietrecht Bonn“ | Bewertungen, Anwaltsprofile, KI-Empfehlungen, Verzeichnisse |
| Navigation | Kanzleiname, Name der Anwältin oder des Anwalts | Markensuche: Profil, Website, Bewertungen, Knowledge Panel |
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Tabelle: Die Recherche-Anfragen bringen am meisten Volumen, aber am wenigsten direkte Mandate. Und genau sie werden am stärksten von KI-Antworten abgefangen. Die akuten und vergleichenden Anfragen sind kleiner, aber dort fällt die Entscheidung. Eine Kanzlei, die nur Ratgeber-Traffic misst, optimiert an der falschen Stelle.
04 · Local SEODas Google-Unternehmensprofil der Kanzlei
Für akute Suchen ist das Unternehmensprofil das wichtigste Werkzeug. Es erscheint im Map Pack, in Google Maps und liefert Daten an Googles KI-Antworten. Drei Punkte machen bei Kanzleien den Unterschied.
Kategorien und Name
Die Hauptkategorie sollte so spezifisch wie möglich sein. Wer überwiegend im Arbeitsrecht tätig ist, wählt die passende Rechtsgebiets-Kategorie statt nur „Rechtsanwalt“ und ergänzt weitere Gebiete als Nebenkategorien. Beim Namen gilt die Google-Richtlinie streng: Der Profilname entspricht dem realen Kanzleinamen. Zusätze wie „Anwalt Arbeitsrecht Köln“ im Namen verstoßen gegen die Richtlinien und können zur Sperrung führen.
Kanzleiprofil und Anwaltsprofile
Google erlaubt für bestimmte Berufe, darunter Anwältinnen und Anwälte, neben dem Profil der Kanzlei eigene Profile für einzelne Berufsträger. Das ist sinnvoll, wenn eine Person öffentlich für ein Rechtsgebiet steht und selbst gesucht wird. Bei Einzelkanzleien empfiehlt Google eine kombinierte Bezeichnung aus Kanzlei und Name. Wichtig ist, dass sich die Profile nicht gegenseitig Konkurrenz machen: unterschiedliche Kategorien, eigene Leistungen, klare Zuordnung.
Konsistente Daten bis zum amtlichen Verzeichnis
Name, Adresse und Telefonnummer müssen überall gleich lauten: Website, Unternehmensprofil, Kanzleibriefbogen, anwalt.de, die Deutsche Anwaltauskunft und das Bundesweite Amtliche Anwaltsverzeichnis der BRAK. Gerade das amtliche Verzeichnis ist für KI-Systeme eine Quelle mit hoher Glaubwürdigkeit. Weicht dort die Adresse ab, weil ein Umzug nur halb nachgezogen wurde, entsteht ein Widerspruch, den Suchsysteme nicht auflösen können.
Wie wir Unternehmensprofile Schritt für Schritt optimieren, haben wir in „Was pusht das Google Business Profil?“ ausführlich beschrieben. Den Rahmen dafür bildet unsere Arbeit im Bereich Local SEO.
05 · BewertungenBewertungen und Schweigepflicht
Bewertungen sind bei Kanzleien heikler als in fast jeder anderen Branche. Der Grund ist die Verschwiegenheitspflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO. Sie umfasst nicht nur den Inhalt eines Mandats, sondern bereits die Tatsache, dass es eines gibt. Wer auf eine Bewertung antwortet und dabei Details zum Fall nennt oder bestätigt, dass die Person Mandantin war, riskiert einen Berufsrechtsverstoß.
In der Praxis bedeutet das:
- Antworten ja, aber allgemein. Ein Dank für positive Rückmeldungen ohne Bezug zum Fall ist unproblematisch. Bei Kritik eignet sich ein sachlicher Satz, dass die Kanzlei sich wegen der Schweigepflicht nicht zu einzelnen Angelegenheiten äußern kann, verbunden mit einem Gesprächsangebot.
- Um Bewertungen bitten ja, Anreize nein. Nach Abschluss eines Mandats darf die Kanzlei zufriedene Mandanten um eine ehrliche Bewertung bitten. Gutscheine, Rabatte oder Gegenleistungen schließen Googles Richtlinien aus.
- Rechtsverletzende Bewertungen melden. Erfundene Erfahrungen von Personen, die nie Mandant waren, lassen sich über Google beanstanden. Die Kanzlei kann dabei nicht mit Mandatsinterna argumentieren, sondern nur mit dem Fehlen eines Kontakts.
Für die Sichtbarkeit zählen vor allem Anzahl, Aktualität und Inhalt der Bewertungen. Eine Rezension, die das Rechtsgebiet nennt („hat mir bei meiner Kündigung sehr geholfen“), stärkt die Relevanz für genau diese Suchen. Formulieren darf die Kanzlei sie natürlich nicht vor.
06 · ArchitekturRechtsgebietsseiten statt Leistungsliste
Viele Kanzlei-Websites haben eine Seite „Leistungen“, auf der acht Rechtsgebiete in je drei Sätzen stehen. Für Suchmaschinen und KI-Systeme ist das zu dünn. Niemand sucht nach „Leistungen“. Gesucht wird nach dem Problem: Kündigung, Scheidung, Bußgeldbescheid, Erbstreit. Die Struktur der Website sollte dieser Logik folgen.
Bewährt hat sich ein Aufbau in drei Ebenen:
- Rechtsgebietsseite als Hub. Eine ausführliche Seite pro Schwerpunkt, zum Beispiel Arbeitsrecht. Sie erklärt, für wen die Kanzlei in diesem Gebiet tätig ist, wer zuständig ist, wie der Ablauf aussieht und was es kostet.
- Anliegen-Seiten als Spokes. Darunter eigene Seiten für die häufigsten konkreten Situationen: Kündigungsschutzklage, Abfindung, Aufhebungsvertrag. Jede beantwortet die Kernfrage im ersten Absatz und verlinkt zurück zum Hub.
- Anwaltsprofile und Ratgeber als Querverbindungen. Jedes Profil verlinkt die Gebiete, in denen die Person tätig ist. Jeder Ratgeber verweist auf die passende Anliegen-Seite.
Ein Wort zu Standortseiten: Seiten für Städte, in denen die Kanzlei keine Niederlassung hat, sind riskant. Sie wirken schnell wie austauschbare Brückenseiten, die Google als Spam einstuft, und sie können den Eindruck einer Präsenz erwecken, die es nicht gibt. Sinnvoll sind Standortseiten dort, wo es eine echte Zweigstelle, Besprechungsräume oder eine nachweisbare regionale Tätigkeit gibt.
Und eine Seite fehlt fast immer: Kosten. Rechtsuchende fürchten die Rechnung mehr als das Verfahren. Eine sachliche Erklärung, wie sich Gebühren nach dem RVG berechnen, was eine Erstberatung kostet (für Verbraucher nach § 34 RVG höchstens 190 Euro zuzüglich Umsatzsteuer, sofern nichts anderes vereinbart ist) und wann eine Rechtsschutzversicherung greift, ist zulässige Information. Sie ist außerdem genau der Inhalt, den KI-Systeme gern zitieren.
07 · E-E-A-TWarum Anwälte selbst sichtbar sein müssen
Rechtsthemen gehören für Google zu den sogenannten YMYL-Themen („Your Money or Your Life“), bei denen falsche Informationen echten Schaden anrichten können. Die Search Quality Rater Guidelines legen für solche Inhalte besonders hohe Maßstäbe an Erfahrung, Fachwissen, Autorität und Vertrauenswürdigkeit an. Für Kanzleien heißt das konkret: Ein Ratgeber ohne erkennbare Autorin oder erkennbaren Autor verschenkt sein stärkstes Signal.
- Autorenzeile mit Qualifikation. Name, Berufsbezeichnung, Fachanwaltstitel, zuständige Kammer und ein Link auf das Anwaltsprofil.
- Stand-Datum. Recht ändert sich. Ein sichtbares „Stand: Oktober 2026“ und ein gepflegtes Aktualisierungsdatum zeigen, dass der Inhalt geprüft wird.
- Belege im Text. Normen mit Paragraf, Urteile mit Gericht, Datum und Aktenzeichen. Das ist für Juristen selbstverständlich, auf Kanzlei-Websites aber erstaunlich selten.
- Pflichtangaben als Vertrauenssignal. Die Angaben nach § 5 DDG zu Kammer, gesetzlicher Berufsbezeichnung und berufsrechtlichen Regelungen gehören ohnehin ins Impressum. Gut auffindbar stärken sie zusätzlich die Glaubwürdigkeit.
„Der Text kann von der Agentur kommen. Die Expertise muss von der Kanzlei kommen. Ohne juristische Prüfung und echte Autorenschaft veröffentlichen wir keinen Rechtsratgeber.“Jörg Strömsdörfer · DieWebAG
08 · GEOWie KI-Systeme Kanzleien auswählen
Wenn jemand ChatGPT fragt, welche Kanzlei in Köln für Arbeitsrecht empfehlenswert ist, entsteht die Antwort nicht aus einer Rangliste. Das System sucht im Web, liest mehrere Quellen und fasst zusammen, was dort übereinstimmend steht. Für Kanzleien folgen daraus vier Hebel, die wir in GEO-Projekten immer zuerst prüfen.
1. Eindeutige Entität
Kanzleiname, Personen, Rechtsgebiete und Standort müssen über alle Quellen hinweg identisch und eindeutig sein. Ein System, das „Müller & Partner“ in Köln, „Müller Partner Rechtsanwälte“ in Köln-Lindenthal und eine alte Adresse in der Innenstadt findet, kann nicht sicher sagen, dass es sich um dieselbe Kanzlei handelt. Es nennt dann lieber eine andere.
2. Erwähnungen außerhalb der eigenen Website
KI-Antworten stützen sich auffallend oft auf Drittquellen: Verzeichnisse, Bewertungsplattformen, Fachbeiträge, Presse, Vorträge, Veröffentlichungen von Kammern und Vereinen. Eine Kanzlei, über die nur die eigene Website spricht, wird seltener empfohlen. Warum Erwähnungen ohne Link für KI-Sichtbarkeit zählen, haben wir in unserem Beitrag zu Brand Mentions beschrieben.
3. Antworten, die sich zitieren lassen
KI-Systeme übernehmen bevorzugt kurze, in sich geschlossene Aussagen: eine klare Antwort im ersten Satz, danach die Einschränkungen. „Die Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung erhoben werden (§ 4 KSchG).“ Ein solcher Satz ist präzise, belegt und zitierfähig. Ein Absatz, der mit „Viele Arbeitnehmer fragen sich …“ beginnt, ist es nicht.
4. Technischer Zugang für KI-Crawler
Wer die Crawler der KI-Suchsysteme per robots.txt aussperrt, etwa OAI-SearchBot für die ChatGPT-Suche oder PerplexityBot, kann dort nicht als Quelle erscheinen. Wir sehen solche Sperren regelmäßig, meist unbeabsichtigt durch Sicherheits-Plugins oder pauschale Regeln. Eine llms.txt kann ergänzen, ist aber kein Ersatz: Ob die großen Systeme sie auswerten, ist bislang nicht belegt.
Prompt-Tests statt Bauchgefühl
Wir legen für jede Kanzlei 20 bis 30 realistische Fragen fest, etwa „Welcher Anwalt für Familienrecht in Bonn ist gut?“ oder „Was kostet eine Scheidung mit Anwalt?“, und stellen sie monatlich in ChatGPT, Gemini, Perplexity und dem Google AI Mode. Gezählt wird, ob die Kanzlei genannt wird, mit welcher Begründung und welche Quellen verlinkt sind. Wichtig: Die Antworten schwanken. Einzelne Tests sind Momentaufnahmen, aussagekräftig ist erst der Verlauf über mehrere Monate.
09 · ContentRatgeber, die Mandate bringen
Rechtsratgeber waren lange das Rückgrat des Kanzleimarketings. Ein Artikel zu „Kündigungsfrist Probezeit“ brachte Tausende Besuche im Monat. Dieses Modell trägt nicht mehr. Ahrefs hat für eine Studie vom Februar 2026 300.000 Suchbegriffe ausgewertet: Bei Suchen mit KI-Übersicht sank die Klickrate auf Position 1 zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 von 7,3 auf 1,6 Prozent. Bei informationellen Suchen ohne KI-Übersicht fiel sie im selben Zeitraum von 7,6 auf 3,9 Prozent. Rechnet man diesen allgemeinen Rückgang heraus, beziffert Ahrefs den Effekt der KI-Übersicht auf rund 58 Prozent weniger Klicks für das bestplatzierte Ergebnis.
Wir ziehen daraus nicht den Schluss, Ratgeber aufzugeben. Wir verändern ihren Zweck. Ein Kanzlei-Ratgeber hat 2026 zwei Aufgaben: als Quelle in KI-Antworten zitiert zu werden und die Leserinnen und Leser zu erreichen, für die eine allgemeine Antwort nicht genügt. Daraus ergibt sich eine klare Bauweise:
- Antwort zuerst. Die Kernaussage steht im ersten Absatz, mit Norm. Das macht den Text zitierfähig.
- Die Grenze der allgemeinen Antwort zeigen. Ein Abschnitt „Wann Sie anwaltliche Hilfe brauchen“ benennt die Fälle, in denen es auf Details ankommt. Das ist sachliche Information, kein Werbeversprechen.
- Fristen sichtbar machen. Bei Themen mit Frist, etwa der Dreiwochenfrist für die Kündigungsschutzklage, ist die Frist die wichtigste Information. Sie gehört nach oben, nicht in den sechsten Absatz.
- Auf das Anliegen verlinken. Jeder Ratgeber verweist auf die passende Anliegen-Seite mit Kontaktmöglichkeit.
Ein Ratgeber mit weniger Besuchen, aus dem mehr Anfragen entstehen, ist ein besserer Ratgeber. Diese Verschiebung in den Kennzahlen müssen Kanzlei und Agentur gemeinsam akzeptieren.
10 · TechnikStrukturierte Daten für Kanzleien
Strukturierte Daten nach schema.org helfen Suchsystemen, Kanzlei, Personen und Rechtsgebiete eindeutig zuzuordnen. Für Kanzleien empfehlen wir den Typ LegalService für die Kanzlei und Person für jede Anwältin und jeden Anwalt. Der ältere Typ Attorney wird auf schema.org selbst als weniger eindeutig markiert, LegalService ist die bessere Wahl.
Entscheidend ist die Eigenschaft sameAs: Sie verbindet die Kanzlei mit ihren Einträgen in Verzeichnissen und Profilen. Genau diese Verknüpfung macht die Entität für KI-Systeme eindeutig. Ein reduziertes Beispiel mit Platzhaltern:
{
"@context": "https://schema.org",
"@type": "LegalService",
"name": "Kanzlei Beispiel Rechtsanwälte",
"url": "https://www.kanzlei-beispiel.de/",
"telephone": "+49 221 0000000",
"address": {
"@type": "PostalAddress",
"streetAddress": "Musterstraße 1",
"postalCode": "50667",
"addressLocality": "Köln"
},
"knowsAbout": ["Arbeitsrecht", "Kündigungsschutz"],
"employee": {
"@type": "Person",
"name": "Dr. Erika Beispiel",
"jobTitle": "Rechtsanwältin, Fachanwältin für Arbeitsrecht"
},
"sameAs": [
"https://www.anwalt.de/…",
"https://maps.google.com/?cid=…"
]
}
Ein ehrlicher Hinweis zu FAQ-Markup: Seit August 2023 zeigt Google FAQ-Rich-Results nur noch für ausgewählte Behörden- und Gesundheitswebsites. Kanzleien bekommen dadurch keine aufgeklappten Fragen mehr in den Suchergebnissen. Gut strukturierte Frage-Antwort-Abschnitte auf der Seite bleiben trotzdem sinnvoll, weil sie genau das Format liefern, das KI-Systeme übernehmen.
11 · MessungWas Kanzleien messen sollten
Sitzungen und Rankings sind für Kanzleien schwache Kennzahlen. Ein Mandat entsteht meist über einen Anruf oder eine Nachricht. Wir messen deshalb von hinten nach vorn:
- Erstkontakt-Quelle im Sekretariat. Die einfachste und verlässlichste Messung: Bei jedem neuen Kontakt fragen, wie die Person auf die Kanzlei aufmerksam geworden ist. Mit einer eigenen Antwortoption „KI-Assistent (ChatGPT o. ä.)“.
- Anrufe und Routenanfragen aus dem Unternehmensprofil, getrennt nach Kanzlei- und Anwaltsprofilen.
- Search Console nach Verzeichnissen. Wenn die Website nach Rechtsgebieten aufgebaut ist, lässt sich die Sichtbarkeit pro Gebiet getrennt auswerten.
- KI-Verweise in GA4. Besuche von chatgpt.com, perplexity.ai oder gemini.google.com sind klein, aber messbar. Wie wir dafür Berichte anlegen, steht in unserem Beitrag zu GA4-Reports.
- Prompt-Tests wie oben beschrieben, als Verlauf über Monate.
12 · FehlerSieben Fehler, die wir häufig sehen
- „Spezialist“ ohne Grundlage. Die Bezeichnung wirkt im Snippet stark, ist aber berufsrechtlich angreifbar, wenn die Voraussetzungen nach § 7 BORA fehlen.
- Keywords im Profilnamen. „Kanzlei Schmidt – Anwalt Scheidung Köln“ verstößt gegen Googles Richtlinien und gefährdet das Profil.
- Eine Seite für alle Rechtsgebiete. Ohne eigene Rechtsgebietsseiten gibt es nichts, was für „Anwalt Mietrecht Köln“ ranken oder zitiert werden könnte.
- Ratgeber ohne Autor und ohne Datum. Bei YMYL-Themen fehlt damit das wichtigste Qualitätssignal.
- Bewertungsantworten mit Fallbezug. Gut gemeint, aber ein Risiko für die Verschwiegenheitspflicht.
- Abweichende Kanzleidaten. Alte Adressen in Verzeichnissen, unterschiedliche Schreibweisen des Namens, eine Telefonnummer, die nicht mehr stimmt.
- Gesperrte KI-Crawler. Unbemerkte robots.txt-Regeln, die eine Kanzlei aus ChatGPT- und Perplexity-Antworten ausschließen.
13 · Praxisbeispiel„Medizinrecht Köln“: dreimal auf Seite 1
Wie das zusammenspielt, zeigt ein Projekt aus unserem Kundenstamm. Die Kölner Kanzlei Dr. Höll + Tauer Rechtsanwälte ist auf zwei Rechtsgebiete konzentriert: Medizinrecht und Versicherungsrecht. Für das Branchen-Keyword „Medizinrecht Köln“ erscheint sie auf allen drei Flächen, über die wir in diesem Beitrag gesprochen haben.
| Fläche | Ergebnis | Was dort entscheidet |
|---|---|---|
| Local Pack | Platz 2 von 3, 5,0 Sterne aus 32 Bewertungen | Profil, Nähe, Bewertungen, Öffnungszeiten |
| KI-Antwort | Als erste Kanzlei genannt, mit dem Hinweis auf die Fachanwaltschaft für Medizinrecht | Eindeutige Entität, zitierfähige Aussagen auf der Website |
| Organisch | Seite 1 bei Google | Rechtsgebietsseite, die genau dieses Thema behandelt |
Die Zahl der Bewertungen allein erklärt das nicht. Die Kanzlei auf Platz 1 im Local Pack hat rund dreimal so viele, steht in der KI-Antwort aber erst an zweiter Stelle. Was die drei Treffer verbindet, ist ein klares, überall gleiches Profil:
- Fokus statt Bauchladen. Zwei Rechtsgebiete, die in Logo, Website-Titel und Unternehmensprofil identisch auftauchen. Suchsysteme müssen nicht raten, wofür die Kanzlei steht.
- Eine Seite für genau diese Suche. Die Seite „Anwalt für Medizinrecht & Versicherungsrecht in Köln“ beantwortet die Frage im Suchbegriff direkt. Schon ihr Snippet nennt die Fachanwaltschaft und den Schwerpunkt Arzthaftungsrecht, und genau diese Aussage erscheint auch in der KI-Ansicht.
- Gesichter statt Stockfotos. Profil und Website zeigen die Berufsträger selbst. Das stärkt Vertrauen bei Menschen und macht die Personen als Entitäten erkennbar.
- Bewertungen ohne Ausreißer. 32 Rezensionen mit durchgehend fünf Sternen sind keine Masse, aber ein klares Signal.
Name im Profil und Momentaufnahme
Der Profilname enthält „Medizinrecht | Versicherungsrecht“. Das ist hier zulässig, weil der Zusatz Teil des realen Kanzlei-Brandings ist und so auch im Logo steht. Ohne diese Grundlage wäre derselbe Name ein Verstoß gegen Googles Richtlinien. Und: Rankings hängen von Standort, Gerät und Zeitpunkt ab. Die Ergebnisse oben sind eine Momentaufnahme, die wir regelmäßig neu prüfen.
14 · FahrplanDer 90-Tage-Plan
So gehen wir bei Kanzleien vor, die mit SEO und GEO starten. Eine ehrliche Einordnung zum Zeitrahmen gehört dazu: Verbesserungen am Unternehmensprofil zeigen oft nach einigen Wochen Wirkung. Organische Rankings für umkämpfte Rechtsgebiete in Großstädten brauchen in der Regel mehrere Monate.
- Bestandsaufnahme Woche 1–2Technisches Audit, Abgleich aller Kanzleidaten bis zum amtlichen Anwaltsverzeichnis, Prüfung von Unternehmensprofil, Bewertungen und robots.txt, erste Prompt-Tests als Ausgangswert.
- Fundament Woche 3–6Rechtsgebietsseiten und die wichtigsten Anliegen-Seiten, Anwaltsprofile mit Qualifikation, strukturierte Daten, Kategorien und Leistungen im Profil.
- Inhalte Woche 7–10Drei bis fünf Ratgeber nach dem Prinzip „Antwort zuerst“, juristisch geprüft und mit Autorenschaft, dazu eine Kostenseite.
- Autorität und Messung Woche 11–13Verzeichnisse und Fachbeiträge, ein Prozess für Bewertungen nach Mandatsende, Erstkontakt-Abfrage im Sekretariat und das erste Reporting.
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Kanzlei heute steht, ist ein Website-Audit der sinnvollste Einstieg. Den Gesamtrahmen beschreiben wir auf unserer Seite zur SEO-Agentur.
15 · FAQHäufige Fragen
Dürfen Anwälte SEO und GEO überhaupt betreiben?
Ja. Nach § 43b BRAO ist Werbung erlaubt, soweit sie sachlich über die berufliche Tätigkeit informiert und nicht auf ein Mandat im Einzelfall zielt. Suchmaschinenoptimierung mit Rechtsgebietsseiten, Ratgebern und einem gepflegten Unternehmensprofil ist sachliche Information und damit grundsätzlich zulässig.
Darf ich mich als „Spezialist“ bezeichnen?
Nur unter Voraussetzungen. § 7 BORA verlangt für qualifizierende Zusätze wie „Spezialist“ theoretische Kenntnisse und eine erhebliche praktische Tätigkeit auf dem Gebiet. Der BGH hat in „Spezialist für Familienrecht“ (I ZR 53/13) entschieden, dass die Bezeichnung zulässig ist, wenn die Fähigkeiten den Anforderungen an einen Fachanwalt entsprechen. Im Zweifel hilft die Rechtsanwaltskammer.
Wie lange dauert es, bis SEO für eine Kanzlei wirkt?
Verbesserungen am Google-Unternehmensprofil zeigen oft nach einigen Wochen Wirkung. Organische Rankings für umkämpfte Rechtsgebiete in Großstädten brauchen in der Regel mehrere Monate. Die Dauer hängt stark vom Wettbewerb im Rechtsgebiet und vom Ausgangszustand der Website ab.
Was ist GEO und warum betrifft es Kanzleien?
GEO steht für Generative Engine Optimization. Gemeint ist die Optimierung dafür, in Antworten von KI-Systemen wie ChatGPT, Gemini, Perplexity oder den KI-Übersichten von Google genannt und zitiert zu werden. Kanzleien betrifft das, weil Rechtsuchende zunehmend zuerst eine KI fragen und die Antwort nur wenige Kanzleien nennt.
Darf ich als Anwalt auf Google-Bewertungen antworten?
Ja, aber ohne Bezug zum Mandat. Die Verschwiegenheitspflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO umfasst bereits die Tatsache, dass jemand Mandant war. Antworten sollten daher allgemein bleiben. Bei Kritik eignet sich der Hinweis, dass sich die Kanzlei wegen der Schweigepflicht nicht zu einzelnen Angelegenheiten äußern kann.
Brauche ich eigene Seiten für mehrere Städte?
Nur dort, wo die Kanzlei tatsächlich präsent ist, etwa mit einer Zweigstelle oder Besprechungsräumen. Standortseiten für Städte ohne echte Präsenz wirken austauschbar, können als Spam eingestuft werden und erwecken leicht einen falschen Eindruck.
Lohnen sich Rechtsratgeber trotz KI-Übersichten noch?
Ja, mit verändertem Ziel. Reine Wissensartikel verlieren Klicks, weil KI-Übersichten die Frage direkt beantworten. Ratgeber, die die Antwort zuerst und mit Norm liefern, Fristen sichtbar machen und klar zeigen, wann anwaltliche Hilfe nötig ist, werden häufiger zitiert und bringen weniger, aber qualifiziertere Anfragen.
Welche strukturierten Daten sind für Kanzleien sinnvoll?
Für die Kanzlei der Typ LegalService, für Anwältinnen und Anwälte der Typ Person, verbunden über sameAs mit Verzeichnissen und Profilen. FAQ-Markup bringt Kanzleien seit 2023 keine Rich Results mehr, strukturierte Frage-Antwort-Abschnitte auf der Seite bleiben für KI-Systeme aber nützlich.